Weltspitze aus der Nachbarschaft: Quantett Johannes Kobelt zu Gast im Schloss Dottenwil

Drei virtuose Musiker - Katharina Kobelt, Adrian Bodmer und Johannes Kobelt - sorgten am Samstag für Begeisterung im Schloss Dottenwil.

Die eigenwillige Wortkreation Quantett bezeichnet ein Ensemble, das zu dritt in einem Konzert mehr als 20 Instrumente und mindestens fünf verschiedene Musikarten spielt - ein ganzes Quantum. Das Quantett Johannes Kobelt erfüllt alle Voraussetzungen. Es spielt seltene Exemplare wie die venezianische Gitarre, die um 1580 gebaut wurde, sowie die Guarneri-Violine aus dem Jahr 1707 und das Guarneri-Cello von 1717: Ein wohlklingendes Instrumenten-Museum in fünf Quantettigkeiten (Musikarten).

Musikalische Europareise

«Zu oft verschwinden solche prachtvolle Instrumente in Mu­seen oder in Privatsammlungen, wo sie zum Schweigen verurteilt werden», sagt Katharina Kobelt. «Wir bringen sie zum Erklingen, zum Leben.» Und Recht hat sie. Die pure Lust am Entdecken macht das Konzert zu einem Augen- und Ohrenschmaus. Von der Zwerg-Concertina bis zu Quica reicht die Palette der Instrumente, deren Klänge zum Teil recht ungewöhnlich in den Eigenkompositionen von Johannes Kobelt zum Ausdruck gebracht werden.

Eine musikalisch-historische Europareise bietet sich den Zuhörern auf hohem Interpretationsniveau an. Von melancholisch «Russischem» über temperamentvoll «Ungarumänisches» und Witziges aus der Schweiz bis zur Klassik (J. S. Bach) und «Jazzigem»: ein Wechselbad der Rhythmen und Emotionen in bester Tradition, dazu humorvolle Erklärungen zu jedem Stück und Instrument.

Experimentierfreudig

Dass man die Sonate von J. S. Bach mit einem in einer Schüssel schwingenden Taler beginnt und ein Bandoneon anstelle einer Kirchenorgel einsetzt, ist nur ein Beispiel an der Freiheit, die sich das vor dreissig Jahren gegründete, international bekannte Quan­tett aus St. Gallisch-Berg nimmt, um die Instrumente aus ihrer Sammlung mit Bravour zu präsentieren. Balalaikas aus Russland, darunter eine Bass-Domra, treffen auf ein Jugendstil-Telefon und verschmelzen mit Cello und Geige zur «Glocken-Ballade». Mit Trichtervioline, Kontrabass und Django-Reinhardt-Gitarre erfolgt der Übergang zum Jazz.

Das Publikum folgt begeistert den Experimenten der vor Freude und Vitalität sprühenden Künstler. «Die Weltspitze aus der Nachbarschaft», sagt einer nach der dritten Zugabe.  dsh

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