Quantett Johannes Kobelt im Kellertheater: Musikalische Glacekarte

Ein wenig frech, ein wenig besinnlich, immer humorvoll und mitreissend: Das Quantett Johannes Kobelt bleibt sich treu.

Es sieht aus wie eine Glacekarte, doch statt Coupe Romanoff und Bananensplit werden im pastellig-bunten Hochglanzfaltblatt mit hellblauweissem Wölkchenhintergrund die musikalischen Genüsse präsentiert, welche das Quantett Johannes Kobelt im elften Programm auftischt. Schön drapiert wird der Reihe nach «Ungarumänisches», Russisches, Schweizerisches, Klassisches und Jazziges serviert. Wohlgemerkt, es sind überwiegend Eigenkompositionen aus der Feder Johannes Kobelts.

Katharina Kobelt, Adrian Bodmer und Johannes Kobelt sind musikalische Könner, die perfekt aufeinander abgestimmt sind und auf verschiedensten Hochzeiten tanzen. Alle drei Musiker können auf ganz vielen Instrumenten spielen, mit Vorliebe auf alten: In den ersten beiden Blöcken, Von den Kobelts wortschöpferisch als «Quantettigkeiten» bezeichnet, führt die musikalische Reise nach Osten. Im russischen Teil folgt auf zwei Balalaika-Stücke ein mit vier verschiedenen Concertinas gespieltes Stück namens «In den Tiefen des Schlosskellers». Unter einer Concertina muss man sich eine achteckige Handorgel vorstellen; der Titel verweist scherzhaft auf die tiefen Töne des grössten Instruments, neben welchem die Miniausführung wahrlich winzig erscheint.

Kobelts Schottisch klingt beinahe bluesig, es groovt. Das Trio überzeugt in seinen Schweizer Stücken «Komisch», «Gschpässig» und «Eigenartig» mit enormer spielerischer Gewandtheit. Dass wir uns nicht mitten in den tiefen Sümpfen Louisianas befinden, daran erinnert uns einzig Adrian Bodmer, der nicht nur fast alle Kontinente dieser Erde bereist hat, sondern jählings in drei verschiedenen Schweizer Dialekten, begleitet von Glockengeläut, ein sprachlich-komödiantisches Zwischenspiel darbietet.

Ein Samba zwischen Berg und Bach

Das Quantett macht nicht nur hervorragende Musik, es unterhält auch mit Humor. Seit sie musizierten, werde ihnen vorgeworfen, dass sie nicht Noten lesen könnten, sagt Kobelt. Deshalb nimmt das Trio Notenständer und stellt Noten, die mit banknotenverzierten Umschlägen eingefasst sind, darauf. Von den Banknoten zum Talerschwingen und davon weiter zum Bandoneon - und gespielt wird Bach. Dass das Trio ein unverkrampftes Verhältnis zu klassischer Musik hat, zeigt sich, als auf der venezianischen Gitarre von 1580 ein Samba ertönt und mit dem volkstümlichen «Lueged vo Berg und Tal» abwechselt.

Als letzte Quantettigkeit gibt es Jazziges zu hören. Ein altes Banjo, ein Waschbrett, diverse Hupen, von Katharina Kobelt und Adrian Bodmer zusätzlich mit den Füssen bedient, kommen zum Einsatz. Erneut kommt Bodmers sprachliches Imitationstalent zur Geltung, mit welchem er das Publikum erheitert, als er mitten im Stück Japanisch, Arabisch und Russisch zu sprechen vorgibt.  ua

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