Virtuosität und Schalk

Das Quantett Johannes Kobelt begeisterte in Oberuzwil mit seinem neuen Programm "Fabulös Tabulos". Von Vroni Krucker

Virtuos und mit viel Schalk präsentierten sich die drei Musiker Katharina und Johannes Kobelt sowie Adrian Bodmer in der evangelischen Kirche Oberuzwil und vermittelten Musik und Zusammenspiel auf höchstem Niveau, die Männer in roten Socken, die Dame im roten Rock.

Was ist denn ein Quantett, hat sich vielleicht der eine oder andere Konzertbesucher gefragt, weil ja nur drei Personen aufgetreten sind. Quantett bezeichnet ein Ensemble, das zu dritt in einem Konzert mehr als 20 Instrumente und mindestens fünf verschiedene Musikarten spielt, also eine Exklusivität. Wer die Musizierenden schon früher erlebt hat, spürt sofort, sie haben sich schon wieder gesteigert, sind noch experimentierfreudiger geworden, unglaublich! Und nie entstand nur im Geringsten das Gef�hl von reiner Routine.

Homogenes Zusammenspiel

Eine grosse Virtuosität und ein verschmitzter, sehr geistreicher Humor geben sich in "Fabulös Tabulos" die Hand und ziehen die Besucher in ihren Bann. Jedes Ensemblemitglied ist ein Spitzenkönner - und das nicht nur auf einem Instrument, sondern auf sehr vielen, was sich in jedem Stück deutlich zeigte. Alle drei haben eine solide musikalische Ausbildung und waren vor der Gründung des Quantetts 1974 Mitglied namhafter Formationen im In- und Ausland.

Von Kobelt bis Bach

Die Stücke werden von Johannes Kobelt geschrieben und bearbeitet und zeugen von einem sehr ausgeprägten Sinn für die Feinheiten der Musik und der Instrumente und auch einem immensen Wissen um die Möglichkeiten der Klangkörper. Da wurde gezupft, gestrichen, geblasen, geschlagen, getreten - hier mal zart, da mal kraftvoll - und nach bald vier Jahrzehnten zeigt sich nicht die Spur von Müdigkeit, im Gegenteil. Das ganz spezielle Zusammenspiel von erstklassigem Musizieren verbunden mit einer grossen Portion Humor fasziniert das Publikum und bringt Spannung in das Programm. Immer mit dabei war "s'Vreneli vom Guggisberg".

Vielfalt an Instrumenten

Ueber zwanzig Klangkörper kamen am Sonntagabend zum Einsatz. Dabei handelt es sich um sehr wertvolle alte Instrumente, die oft nur in Museen zu bestaunen sind, darunter Raritäten und Kuriositäten. Die venezianische Gitarre zum Beispiel wurde bereits 105 Jahre vor dem Geburt von Johann Sebastian Bach (1685) gebaut und die andern Klangkörper stehen in nichts nach. Selbst die ebenfalls "mitwirkenden" Auto-Hupen haben viele Jahrzehnte auf dem Buckel.

Virtuose Instrumentalisten

Es ist kaum zu glauben, mit welcher Präzision und Virtuosität die drei Akteure ihre Instrumente beherrschen, ihnen Leben geben und die Liebe zur Musik sicht- und spürbar machen. Problemlos wechseln sie von einem zum andern. Schweizerisches, Russisches, Ungarisches, Klassisches und Jazziges reichten sich die Hände. "Normale Titel" gab es nicht, dafür so aussagekräftige wie "Perpetuum fotobile" für die anwesenden Fotografen, "Ervolksliedländler", die "tanzenden Küken und wilden Hühner von Janós", "S'Vreneli in Moskau", "Lied der Wolgaschlepper" oder "In Memoriam Hupe Gusti".
Da versetzten die drei auf phänomenale Art, auch mit Hilfe der Trichtervioline, in ein Geisterschloss. Katharina Kobelt verzauberte mit dem Tanzmeister Csárdás auf der 250-jährigen Mini-Tanzmeistergeige und Adrian Bodmer zeigte sich als Konversationsgenie - frech, witzig, humorvoll, besinnlich, einfach mitreissend - und spannte einen Bogen von den Akteuren zu den Besuchern. Nach einer "Standing ovation", durften Zugaben genossen werden, und ganz zum Schluss das wunderschöne "Air" von Bach, wo alle nochmals brillierten.

Instrumentenvielfalt

Das riesige und wertvolle Instrumentarium des Quantetts besteht aus: Violine, Tanzmeistergeige, Trichtervioline, Violoncello, Kontrabass, Duett-Concertina, Bass-Domra, Klarinette, Kontrabass- und Zwerg-Concertina, venezianische Gitarre, Django Reinhardt-Gitarre, Bandoneon, Prim-, Alt- und Kontrabass-Balalaika, Sopran- und Bass-Saxophon, Aeola, Banjo, Schwyzerörgeli, Taschen-Cornett und anderes wie die etwa 60 Autohupen. Das Quantett nutzt und benutzt all diese Instrumente intensiv, hegt und pflegt sie aber mit grosser Fachkenntnis und Liebe.

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