Tabulos die Stile gewechselt

„Luschtich isch's gsi" beim Konzert im Crailsheimer Rathaus

„Quantett" nennt sich die Trio Besetzung, die am Sonntagabend als Gast der Crailsheimer Konzertgemeinde für einen fabulös-tabulosen Wechsel der Stile und Instrumente im Rathaussaal sorgte.

Von der Geisterschloss-Party über Ervolksliedländler und dem „Simeliberg Celloquium" bis ungarische„ tanzenden Küken und wilde, Hühnern - all das war zu hören. Durch die verschiedensten Musikstile durfte „s'Vreneli vom Guggisberg“ im Rathaussaal schlüpfen.

Schweizerische, russische und ungarische Folklore reichten Sebastian Bach in klassischem wie jazzigem Gewand die Hand. Wobei eindeutig klassische Besetzungen eher, die Rarität bildeten.

So war das kurioseste Stück des Abends, Johannes Kobelts „In Memoriam Hupe Gusti“, einzigartig in der Zusammenstellung: zehn verschiedene Autohupen aus der Vergangenheit des Automobils, von Violinspielerin Katharina Kobelt und Adrian Bodmer auf dem Banjo bedient, kombiniert mit Kobelts Sopransaxofon.

Mit pseudojapanischen, pseudoarabischen und pseudorussischen Einwürfen von Bodmer im Chorus mit vier ausgefallenen Hupenexemplaren beendete dieses Stück den jazzigen Teil des Abends. Kobelts „Bachab" erinnerte ein wenig an Benny Goodmans Auseinandersetzung mit Bach und wurde mit „Muskat Ramble“ und „New Orleans" mit zwei Standards umgeben.

Genüsslich weidete sich Bodmer im Kontrabassglissando, während Kobelt die Klarinette mit „hot Intonation“ leicht erhitzte. Zuvor schon nach „Bilder einer Ausstellung“- Zitat und barocker Stilistik Violine, venezianische Renaissance-Gitarre und Violoncello auf der „Waldlichtung“ zur „Klabra"-Musik (klassisch und brasilianisch) verschmolzen, die in eindeutig brasilianischen Klängen der Gitarre ihr Ende fand.

Transparenz, Ausdrucksstärke in kantablen Abschnitten und sonst ständiger Fluss der Stimmen bestimmten Johann Sebastian Bachs viersätzige G-Dur-Sonate, die ein wenig zur Erholung der „Party im Geisterschloss (mit etwas Monti)" diente. Katharina Kobelt konnte hier von ihren virtuosen Fähigkeiten auf der Violine zum Csardas von Vittorio Monti überzeugen. Spätestens bei der Flageolett-Passage kamen keine Zweifel daran mehr auf.

Sonst bediente sie noch die kleine Tanzmeistergeige mit ihrem fiepsigen Ton, der besonders im tiefen Register geradezu lustig klingt und die monströs wirkende Trichtervioline - kaum ein passenderes Instrument dürfte sich für eine Geisterparty finden. Beim „Lied der Wolgaschlepper“ und dem „Babuschka Tanz griff sie zur Concertina und bewies besonders mit dem Ergreifen der Zwerg-Concertina zum letzten Pfeifen der Wolgaschlepper den typisch trockenen schweizerischen Humor, der den ganzen Abend über der Bühne schwebte.

Oder sie ließ das Vreneli in Moskau zusammen mit Adrian Bodmer auf der Balalaika singen, begleitet von Bass-Domra-Tönen Johannes Kobelts.

Adrian Bodmer glänzte neben seinen Scateinlagen auf dem Bass-Saxofon und mit einem Dialog über die Landwirtschaft zwischen einem Basler und einem Appenzeller zu „Agrar Kadabrar". Verständlich, dass Johannes Kobelt dem das Schwyzerörgeli entgegenstellte und wie die anderen Musiker auch seinen unschlagbaren Moderationsstil: „Ein Colloquium ist ein zeitlich begrenztes wissenschaftliches Gespräch. Ein Celloquium ist ein zeitlich begrenztes musikalisches Gespräch." Jetzt wissen wir's - und „luschtich isch’s gsi!  RS

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