Ein vielfältiges Quantum Musik

Am Freitagabend bot das Quantett Johannes Kobelt in der Ziegelhütte zwei Stunden reinen Hörvergnügens auf zum Teil sehr historischen Instrumenten. Sie überzeugten durch Wendigkeit und fein ziselierte Interpretationen.

Das Quantett ist "nur" ein Trio, das aber aufgrund seiner musikalischen Vielfalt und der grossen Anzahl eingesetzter Instrumente den Anspruch erheben darf, ein ganzes Quantum an Musik bieten zu können. Katharina und Johannes Kobelt nehmen Adrian Bodmer in die Mitte, und schon beginnt der bunte Reigen.

Kostbarkeiten

Geboten wird ein musikalischer Spaziergang durch ein Museum voller Kostbarkeiten. Zum Einsatz kommt eine Violine des grossen italienischen Geigenbauers Petrus Guarneri (um 1700) und eine rundum mit Einlegearbeiten verbrämte venezianische Gitarre (um 1580), die einer Urkunde zufolge im Besitz der unglücklichen Maria Stuart gewesen sein soll.
Russische Balalaikas und Domras aus dem 19. Jahrhundert, Banjo, eine Trichtervioline und 29 Autohupen unterschiedlichster Grösse und das unvermeidliche Schwyzerörgeli arbeiten zusammen, im stimmigen Wechsel und immer mustergültig gespielt.
Man bewegt sich sitzend durch ein Raritätenkabinett, das – im Gegensatz zu musealer Ausstellung – zu Leben erweckt, ja zum Singen gebracht wird.

Phantastische Musiker

Die bunte Vielfalt macht fast vergessen, dass das Trio Musik erzeugt. Katharina Kobelt entlockt ihrer Violine alles, was das Herz begehrt – tirilierenden Lerchengesang in einer rumänischen Komposition etwa, die erst als Zugabe zu hören ist. Rasendes Tempo, höchste Töne, schwirrendes Flageolett, alles ist da und sorgt für atemlose Spannung am Ende eines reichhaltigen Programms.

Johannes Kobelt wechselt vom Cello zum Örgeli zur Concertina zum Saxophon zur Klarinette und entlockt ihnen allen scheinbar schwerelos nicht nur korrekte Tonfolgen, sondern auch jenes Timbre, welches die Herkunft des jeweiligen Instruments vorgibt. Er reist durch Welten, die er wohl gesehen haben muss. Anders kann die Treffsicherheit nicht erklärt werden.

Auch Adrian Bodmer ist ein Tausendsassa. Dem Bass-Saxophon entlockt er mehr, als ein Zupfbass je zu bieten hat, und auf allem, was sich am Hals festhalten und an Saiten zupfen lässt, ist er zuhause. Und offenbar ist er ein Kosmopolit, was genaues Hinhören und Parodieren betrifft. In seiner Moderation wechselt er problemlos vom Russischen ins Chinesische, ins Arabische oder in ein anderes Kauderwelsch, das selbstredend von den Partnern übersetzt werden muss. Das erzeugt Heiterkeit und macht vergessen, dass Musik auch anstrengen kann. RR

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