SWISS CHAMBER MUSIC FESTIVAL ADELBODEN
The Favourites of Switzerland

Musikalischer Husarenritt durch fünf Kulturen

Das Quantett Johannes Kobelt wirbelt musikalische Kulturen durcheinander. Das quirlige Trio führte mit 23 teils geradezu musealen Instrumenten durch die ungarische Puszta, über russische Weiten, in Pariser Jazzclubs und Schweizer Ländlerstuben. Es ging auch "Bach-wärts".

Das Ostschweizer Trio mit Johannes und Katharina Kobelt und Adrian Bodmer setzte neue Akzente am Swiss Chamber Music Festival. Sein Programm "Ein 5 Sterne-Musaik" überraschte die 150 Zuschauer am Sonntag, 30. September, immer wieder aufs Neue. Das Quantett ist ein musikalisches Phänomen. Die beschwingte Heiterkeit seines Vortrages und die schier unglaubliche musikalische Vielseitigkeit lässt niemanden unberührt. Die drei Musikanten scheuen dabei auch vor schrägen Tönen nicht zurück.

Sternfahrt durch fünf Kulturen

Katharina und Johannes Kobelt und Adrian Bodmer rissen das Publikum mit ihrem grossen instrumentalen Können ebenso mit wie mit dem feinsinnigen Humor ihrer Ansagen. Das Trio brachte es fertig, auf 23 teils archaisch anmutenden Instrumenten die musikalische Tradition ihrer "Musaiksteine" in die Adelbodner Dorfkirche zu zaubern. Die grossflächige Kontrabass-Balalaika half dabei ebenso mit wie die Klarinette, die herrlich klingende Guarneri-Violine, das selten gehörte Bass-Saxophon oder – Autohupen. Auch auf dem Schwyzerörgeli fühlte sich Johannes Kobelt ganz zu Hause. Wenn Adrian Bodmer zur Django-Reinhardt-Gitarre und Johannes Kobelt zur Klarinette griff, glaubte man sich in einen Pariser Jazzclub der Vierzigerjahre versetzt. Spielte Katharina Kobelt auf ihrer Violine in atemberaubendem Tempo Weisen aus den rumänischen Karpaten und der ungarischen Puszta, schien sich das Publikum in eine Hochzeitsgesellschaft zu verwandeln. Die gekonnte Jodeleinlage von Adrian Bodmer führte wieder zurück in vertraute musikalische Gefilde.

Bach auf Brasilianisch

Bei aller Liebe des Trios zur Volksmusik kam auch die Klassik nicht zu kurz. Grossmeister Johann Sebastian Bach tauchte immer wieder auf, allerdings ab und zu auf ungewohnte Weise. Im Programmteil "Bach-wärts" klang er mal brasilianisch im Sambarhythmus, mal jazzig, dann wieder Note für Note unfrisiert.

Das Konzert war ein grosser Erfolg, das Publikum wollte und wollte die drei Künstler nicht entlassen. Erst nach der dritten Zugabe verebbte der Applaus. Auch Intendant Jörg Conrad hatte seine Freude am Spielwitz seiner Gäste. Reto Koller

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